Drei Monate mit Freunden und Familie unterwegs

Aufregende Begegnungen im engen Schären-Fahrwasser

Nicht nur was das Segeln angeht, unterscheidet sich die Reise südwärts deutlich von den ersten Wochen meines Törns. Auch das Wetter hat sich verändert. Es gibt mehr Wind, mehr Regen, mehr Kälte. Der Wind ist sehr böig. Heute, am Sonntag, dem 7. Juli, erreichen die Böen selbst im Hafen von Västervik, der von der offenen Ostsee ein gutes Stück entfernt ist, schon Windstärke 7. Wir wettern das im Hafen ab. Schade für Flo, der gestern zu uns gestoßen und natürlich heiß aufs Segeln ist. Während ich hier sitze und schreibe pfeift und jault der Wind im Rigg.

Auch gestern und davor am Freitag war es schon recht windig mit starken Böen. Wir hatten am Freitag nach einem sehr durchwachsenen Tag Schutz in einer wunderschönen Bucht am Steg des Bullerby Batklubb gesucht, nur 8 Seemeilen vom Hafen Västervik entfernt.

Auf der Fahrt nach Västervik kam es dann gleich zweimal zu aufregenden Begegnungen im engen Fahrwasser. Beim ersten Mal blieb ein Segler beharrlich auf Kurs, obwohl er hätte ausweichen müssen. Bernd wies ihn mit einem lauten Pfiff zurecht und tatsächlich überlegte er es sich dann noch anders. Bei der zweiten Begegnung hätte so ein Pfiff nicht viel genützt. Just an einer Kurve kam uns ein Holzfrachter entgegen, der uns mit zweimaligem Hupen darauf aufmerksam machte, dass er seinen Kurs jetzt nach Backbord ändern wird. Da war dann für uns kaum noch Platz und zu allem Überfluss drückte und gerade in diesem Moment eine Böe heftig auf die Seite. Wir haben dann eine grüne Tonne auf der falschen Seite passiert. Die Untiefe daneben war zum Glück noch 2,70 Meter tief. Wir haben 1,95 Meter Tiefgang. Kein Problem also. Zum Frachter blieb auch ausreichend Platz, sehr aufregend war es trotzdem.

Am Freitag, auf dem Weg in die Bucht bei Mjödö, bin ich zum ersten Mal so lange ich zurückdenken kann so seekrank geworden, dass es zum Äußersten kam. Wir hatten uns aus den Schären raus auf das offene Wasser begeben, damit wir Platz zum Segeln haben. Die Wellen waren kurz und bremsten uns ordentlich aus. Dann kam Regen hinzu. Ein Gang unter Deck, um das Ölzeug anzuziehen, gab mir den Rest. Das hat mir gezeigt, dass man sich niemals sicher wähnen darf. Bernd steuerte uns dann sicher wieder in den Schutz der Schären. Allerdings war es auch dort noch sehr windig, denn der Wind hatte weiter aufgefrischt. Und es wurde unsichtig, denn wir fuhren in eine dicke schwarze Wolke.

Da war es schon wieder etwas heller….

Regenschauer sind eigentlich seit dem Crewwechsel in Södertälje unsere ständigen Begleiter. An meinem Geburtstag gab es den Geburtstagskaffee inklusive Muffin im Regen. Allerdings währte der Schauer nur kurz und auch an diesem Abend machten wir in einer wunderschönen Bucht fest. Dieses Mal in einem privaten Hafen auf der Insel Haskö.

Am Donnerstag machten wir dann nur einen kurzen Schlag hin zum kleinen Hafen Gryts Varv. Für den Nachmittag war viel Wind angesagt, daher wollten wir lieber in einem sicheren Hafen liegen. Was dann tatsächlich an Wind kam, war aber eigentlich nicht der Rede wert. Der Hafen besteht aus einer Werft und einem Hotel, in dem wir am Abend durchaus lecker gegessen haben. Leider hat der Y-Ausleger unserer Box beim Anlegen etwas am Bootsrumpf gekratzt. Hier müssen wir in nächster Zeit wohl mal etwas polieren, damit die Kratzer verschwinden.

Hier noch ein kleiner Eindruck von unserer Fahrt am Donnerstag. Wie immer kommt der tatsächliche Seegang im Film kaum rüber…

Ute steuert uns bei schneidemden Regen wieder in die Schären. Die Segel sind da schon geborgen.

Nun bin ich also wieder in Västervik, das in den vergangenen zwei Wochen eine kleine Verwandlung erlebt hat: Die Strassen sind voll und belebt, an der Hafenpromenade findet ein Festival statt, die Bässe wummern bis zum späten Abend, und in der Schlossruine gleich hier neben dem Hafen wurden riesige Zuschauertribünen aufgebaut. Ab morgen soll der Wind nachlassen. Wir sind gespannt und freuen uns schon, dann wieder aufs Wasser zu kommen. Bericht folgt… 🙂

Vorheriger

Auf Am-Wind-Kursen rasant durch die Schären

Nächster

Auf Geschwindigkeitsrekord folgt Flautentag

  1. sil

    Ogott, schon beim Anschauen des Films wird mir ganz Bullerbü. Ich weiß nicht, Silke, ich glaube, ich muss an Land bleiben. Obwohl die Ostsee mir die Liebste ist, kann ich nur Zeh und Knie und Bauch hineinsenken, mich umspülen lassen, pipilieren und dann wieder Hoppegarten, ab an Land!
    Ich lese, was du alles erleben kannst, und freue mich mit dir – und wie genau geht’s dir?

    Liebe Grüße aus dem Hügelland

    Deine Silke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén